Unperfekt darf bleiben
- felibuechler3

- 26. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Warum Handgemachtes Zeit braucht – und warum mir das nicht immer leichtfällt

Wer mich kennt, weiss:
Ich bin eher perfektionistisch.
Ich sehe jedes Detail. Jede Abweichung. Jede Masche, die nicht ganz so sitzt, wie sie in meinem Kopf sein sollte.
Etwas herauszugeben, das sich nicht zu hundert Prozent richtig anfühlt, fällt mir schwer.
Sehr schwer sogar.
Und vielleicht schreibe ich genau deshalb darüber.
Wenn Perfektion laut wird
Wir leben in einer Welt, in der vieles perfekt wirken soll.
Gerade Linien. Schnelle Ergebnisse. Makellose Bilder.
Auch ich kenne diesen Anspruch gut – oft zu gut.
Beim Stricken begegnet er mir regelmässig.
Da ist diese innere Stimme, die sagt:
Das könnte noch besser sein.
Das ist noch nicht ganz richtig.
Und doch lerne ich hier etwas anderes.
Jede Masche erzählt
Wenn ich stricke, geht es nicht nur um das fertige Stück.
Es geht um Zeit. Um Geduld. Um das Dasein im Moment.
Manchmal rutscht eine Masche.
Manchmal ist der Rand nicht ganz gerade.
Und manchmal lasse ich es genau so.
Nicht, weil es mir egal wäre.
Sondern weil ich merke:
Perfektion würde diesem Stück etwas nehmen.
Unperfekt – und genau deshalb echt
Handgemachtes trägt Spuren.
Von den Händen, die es gefertigt haben.
Von Tagen, an denen es ruhig war – und von solchen, an denen es das nicht war.
Vielleicht berührt uns Handgemachtes genau deshalb.
Weil es nicht vorgibt, makellos zu sein.
Sondern ehrlich.
Was ich dabei lerne
Unperfekt bleiben zu lassen heisst für mich nicht, weniger sorgfältig zu sein.
Es heisst, Vertrauen zu lernen.
Vertrauen darauf, dass etwas auch dann seinen Wert hat,
wenn es nicht zweihundert Prozent erfüllt.
Und vielleicht ist genau das die grösste Ruhe,
die Stricken mir schenkt.




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