Wenn die Nadeln ruhen müssen – Stricken trotz Schmerzen
- felibuechler3

- 12. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Stricken ist für mich viel mehr als einfach nur Maschen auf zwei Nadeln.
Es ist Entspannung. Rückzug. Kreativität.
Manchmal auch Trost.

Dieses wunderbare Gefühl, wenn die Hände beschäftigt sind, der Kopf langsam ruhiger wird und aus einem einfachen Faden nach und nach etwas entsteht.
Aber was ist, wenn man stricken möchte – und der Körper plötzlich sagt: Nein. Heute nicht.
Wenn jede Masche weh tut
Schmerzen in den Händen, Fingern, Armen, im Nacken oder in der Schulter können einem die Freude am Stricken ganz schön vermiesen.
Vielleicht geht es noch zehn Minuten gut. Vielleicht eine halbe Stunde.
Und irgendwann merkt man: Es zieht. Es sticht.
Die Finger werden müde oder die Schulter beginnt zu schmerzen.
Und natürlich kommt dann dieser Gedanke:
Aber ich möchte doch einfach nur stricken!
Gerade wenn Stricken etwas ist, das einem normalerweise guttut, fällt es schwer, darauf zu verzichten.
Man hat vielleicht ein neues Projekt auf den Nadeln, wunderschöne Wolle liegt bereit oder man möchte unbedingt noch „schnell“ ein paar Reihen schaffen.
Der Kopf will.
Die Hände wollen.
Nur der Körper macht nicht mit.
Nicht gegen den Körper stricken.
Ich glaube, das Schwierigste ist manchmal, die eigenen Grenzen zu akzeptieren.
Nicht noch schnell die Reihe fertig machen.
Nicht denken: Ach, das geht schon noch. Und auch nicht wütend auf sich selbst werden, weil heute vielleicht nur zehn Minuten Stricken möglich sind.
Denn Stricken soll guttun – und kein Kampf mit dem eigenen Körper werden.
Vielleicht bedeutet das im Moment, kleinere Einheiten zu stricken und öfter Pausen zu machen. Die Position zu wechseln.
Die Arme gut abzustützen. Ein leichteres Projekt zu wählen oder einmal auszuprobieren, ob andere Nadeln angenehmer sind.
Und manchmal bedeutet es leider auch: Die Nadeln für heute weglegen.
Das ist vermutlich die schwierigste Übung von allen.
Ich habe mir für meine Strickzeit andere Projekte in meine Wollwelt eingebaut. Nur weil ich gerade nicht stricken kann, muss ich diese ja nicht gleich komplett verlassen.
Ich kann in meinen Wollvorräten stöbern. Farben zusammenstellen. Neue Projekte planen. Anleitungen anschauen. Meine Stricksachen sortieren.
In einem Strickbuch blättern oder anderen beim Stricken zuschauen.
Okay – zugegeben: Manchmal macht das die Lust aufs Stricken nur noch grösser. 😄
Aber es kann auch schön sein, sich mit seinem Hobby zu beschäftigen, ohne dass dabei jede Minute eine Masche entstehen muss.
Kleine Fortschritte sind trotzdem Fortschritte
Vielleicht entsteht ein Tuch normalerweise in zwei Wochen und braucht plötzlich sechs.
Na und?
Vielleicht schaffe ich heute nur vier Reihen.
Dann sind es eben vier Reihen.
(Dafür kann ich mich dann endlich so ganz by the way in Geduld üben....wollte ich ja schon immer mal😬)
Unser Hobby ist kein Wettrennen. Niemand verteilt Medaillen dafür, wer am schnellsten fertig ist oder die meisten Projekte im Jahr gestrickt hat.
Und eigentlich steckt gerade darin etwas, das wunderbar zum Stricken passt:
Masche für Masche. Reihe für Reihe. In meinem eigenen Tempo.
Die Freude soll bleiben
Wenn Schmerzen das Stricken einschränken, darf man darüber auch traurig oder genervt sein. Vor allem dann, wenn Stricken normalerweise genau das ist, was einem in schwierigen Zeiten Halt und Ruhe gibt.
Aber vielleicht müssen wir unser Hobby manchmal ein bisschen anders betrachten.
Nicht: Wie viel habe ich heute geschafft?
Sondern:
Hat mir das Stricken heute gutgetan?
Und wenn die Antwort nach zehn Minuten Ja lautet, dann waren diese zehn Minuten wertvoll.
Die Wolle läuft nicht davon.
Das angefangene Tuch wartet.
Die Maschen bleiben auf der Nadel.
Und irgendwann geht es vielleicht wieder leichter.
Bis dahin gilt:
So viele Maschen, wie heute guttun. Und keine einzige mehr. 🧶❤️
Wie geht ihr damit um?
Was ich dabei fast noch schwieriger finde als den Schmerz selbst, sind die Gefühle, die damit kommen.
Da ist Frust, weil man möchte und nicht kann.
Da ist Wut auf den eigenen Körper, weil er ausgerechnet bei etwas nicht mitmacht, das einem so viel bedeutet.
Und manchmal ist da auch Trauer.
Das klingt vielleicht für jemanden, der nicht strickt, etwas übertrieben. Es sind doch „nur“ ein paar Maschen.
Aber für viele von uns ist Stricken eben nicht einfach irgendein Zeitvertreib.
Es ist unser Ausgleich. Unsere Ruheinsel. Etwas, das uns auffängt, wenn es uns nicht gut geht.
Und wenn genau das plötzlich wegfällt oder nur noch eingeschränkt möglich ist, darf das wehtun – nicht nur körperlich.
Deshalb würde mich diesmal ganz besonders eure Erfahrung interessieren:
Kennt ihr das auch?
Wie geht ihr damit um, wenn Schmerzen euch beim Stricken einschränken?
Macht ihr konsequent Pause – oder fällt euch das genauso schwer?
Habt ihr Tricks gefunden, mit denen Stricken trotzdem möglich ist?
Andere Nadeln, eine andere Haltung, kürzere Strickzeiten oder bestimmte Projekte?
Und was macht es emotional mit euch?
Seid ihr wütend? Frustriert? Traurig? Oder könnt ihr inzwischen gut akzeptieren, wenn der Körper eine Pause verlangt?
Erzählt doch mal. ❤️
Vielleicht können wir hier unsere Erfahrungen sammeln – und der eine oder andere findet darin eine Idee, die ihm selbst weiterhilft.
IDenn vermutlich sitzen mehr von uns manchmal vor ihrem Strickzeug und denken:
„Ich will doch einfach nur stricken.“ 🧶




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