Was beim Stricken alles in einem Tuch landet
- felibuechler3

- 10. Apr.
- 1 Min. Lesezeit
Wenn ich ein Tuch beginne, denke ich zuerst nur an Wolle.
An Farben.
An Garn.
An Maschen.
Doch während ein Strickstück wächst, merke ich immer wieder:
In einem Tuch steckt viel mehr als nur Wolle.
Es steckt Zeit darin.
Zeit, die sonst vielleicht einfach vorbeigegangen wäre.
Ein ruhiger Nachmittag.
Ein Abend auf dem Sofa.
Eine Stunde im Café mit einer Tasse Cappuccino.

Masche für Masche sammelt sich diese Zeit im Tuch.
Aber auch Gedanken wandern hinein.
Manchmal denke ich über etwas nach.
Manchmal lasse ich Gedanken einfach vorbeiziehen.
Und manchmal ist mein Kopf ganz still.
Stricken hat eine besondere Art, alles etwas ruhiger werden zu lassen.
Und dann sind da noch die kleinen Momente.
Der Spaziergang mit Quenja vorher.
Ein Gespräch mit Roger.
Ein Lied im Radio.
All diese Dinge begleiten die Maschen.
Vielleicht sieht man das am fertigen Stück nicht direkt.
Aber ich glaube, man kann es ein wenig fühlen.
Denn handgestrickte Stücke sind nie einfach nur ein Produkt.
Sie sind kleine Begleiter von Momenten.
Von Gedanken.
Von Stimmungen.
Von Zeit.
Und genau deshalb gleicht auch kein Tuch dem anderen.
Selbst wenn ich die gleiche Wolle noch einmal verstricken würde,
würde ein anderes Stück entstehen.
Weil auch der Moment ein anderer wäre.
Vielleicht ist das das Schönste am Stricken:
Dass in jeder Masche ein kleines Stück Leben steckt und vielleicht spürt man genau das, wenn man ein handgestricktes Tuch trägt.





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